Lieber Raggi, mit dem Willen geht's eben gerade nicht! Vielleicht ist es ja jetzt für Dich gar nicht dran... wer weiß das schon... - auch wenn's Dir vielleicht blöd klingt: Versuch einfach mal, nicht zu denken. LG Holger
Also wenn einer sich als ein Ich empfindet, als ein Ich glaubt, und seinen Willen als eigenständig erlebt, dann nützt es doch überhaupt nichts, ihm zu sagen, er hätte keinen Eigenwillen, das alles gäbs gar nicht etc... Das kann man doch erst erleben, wenn man es eben so erlebt - und nicht vorher. Könnt ihr euch alle nicht mehr an Früher erinnern?????
Also ich weiß noch gut, wie auch ich immer an mir "arbeitete", den Willen loszulassen, mich zu fügen, in das Göttliche einzugehen, blablabla.... natürlich führte das nirgendwohin, doch es erleichterte mir die Jahre ein wenig... Es ist nicht falsch, am scheinbaren Ego zu arbeiten! So lange nicht das Ersehnte geschieht, kann man das ruhig tun... Ich bin der Meinung, dass Selbstbeobachtung und Innenschau - und die geschehen, wenn man am Ich arbeitet, zu wachsender Reife führen, die irgendwann in die Bereitschaft mündet, wirklich nur noch zuzulassen bzw. endgültig aufzugeben.
Wenn der Wunsch da ist, diese Dinge zu tun: nur zu! Beackere dein Ego... Kannst ja trotzdem immer mal gucken, ob du das Ding namens Ego wirklich bist...
Alles Liebe, gabi
____________________________________ ...einfach nur leben...
da ich nicht nach Erleuchtung oder Erwachen gesucht habe, bin ich bestimmt nicht der richtige Ansprechpartner für dich. Und ich fühle mich dabei auch hilflos und überfordert. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass das größtes Hindernis dein brennender Wunsch ist, endlich anzukommen. Du machst dir unheimlich viel Druck, so scheint es mir. Dein Wille und auch die aufgeführten Punkte von Hawkins sind m. E. völlig bedeutungslos. Alle Versuche, vermeintliches Ego zu entkräften, oder dir bestimmte Verhaltensweisen aufzudrücken oder Vorstellungen zu verwirklichen, was du zu tun hast oder wie du sein sollst, bringen dich eher weg von dem, was jetzt und hier ist. Du kannst nichts kontrollieren. Gar nichts. Es geschieht alles von selbst. Du brauchst nichts zu tun. Einfach nur da sein, mit dem was ist. Wenn du dich zu einem Lehrer hingezogen fühlst, dann folge deinem Herzen.
Stelle dich diesem Moment. Und sei bereit, dass sich alles wieder blitzschnell ändert. Dann kann das Leben übernehmen und dich führen. Du musst gar nichts wissen. Das Leben wird sich um alles kümmern. Sei einfach nur bereit und sei achtsam. Du kannst es nicht wissen. Gib es einfach nur auf, es kontrollieren zu wollen und überlasse dich dem Moment. Das Leben entscheidet für dich. Sei einfach nur da. Du kannst nur diesen einen Moment klar sehen. Wenn alle Ideen und Vorstellungen aus dem Weg sind, ist Klarheit da. Klarheit ist nur im Jetzt. Hier. Klarheit kann nicht gewusst werden. Sie ist. Dann lasse alle Ideen los. Auch die Idee über dich, wer du glaubst zu sein. Weise alles ab.
Das hat mir Suprya gesagt, als ich mich in einer sehr schwierigen Situation an sie gewandt habe und ich möchte es an dich weitergeben. Mir hat es sehr geholfen und ich bin ihr unendlich dankbar. Vielleicht hilft es dir ein bißchen, wenn nicht, ist es auch ok. Vertraue darauf, das Leben sorgt für dich.
In Antwort auf:Also wenn einer sich als ein Ich empfindet, als ein Ich glaubt, und seinen Willen als eigenständig erlebt, dann nützt es doch überhaupt nichts, ihm zu sagen, er hätte keinen Eigenwillen, das alles gäbs gar nicht etc... Das kann man doch erst erleben, wenn man es eben so erlebt - und nicht vorher. Könnt ihr euch alle nicht mehr an Früher erinnern?????
Ok, entschuldige Raggi. Die Chefin von's Janze hat mich gerade gerüffelt.
Also ....
Na klar gibt es Eigenwillen und Erleuchtung !
Frage ist nur für wen ...
Henrik
PS. Ich les Dich übrigens sehr gerne Raggi. Glaub mir, ich habe nicht einen Deut tiefere Erkenntnis als du oder irgend wer hier. Wir sitzen alle im 'Selben' Boot. ... neee, besser glaub mir nix. Glaub Dir, das ist das Beste.
ich möchte Euch allen vom ganzen Herzen danken für Eure Worte und Zeit, die Ihr ins Antworten investiert. Ich werde nicht jeden einzelnen Satz kommentieren, sondern sie lieber in den nächsten Tagen weiterhin auf mich wirken lassen.
Mir kommt es dennoch vor, dass sich so etwas wie Lager innerhalb des Advaita auftun. Ich war ja bei Pyar neulich und da ging es auch immer wieder ums "Praktizieren" und sie wollte wissen, welche Fortschritte die Gruppe mache. Entwicklung ist das Thema und ähnliche Töne höre ich bei Hawkins, Tolle und im Zen sowieso.
Dann gibt es die andere Fraktion, angeführt (oder wohl nicht mehr) von Papaji. Dessen Richtung habe ich bei Euch rausgehört. Man kann sowieso nichts tun, alles geschieht, es gibt keinen Handelnden, Erleuchtung ist sofort möglich ohne Entwicklungsschritte.
Zwischen den Richtungen oszilliere ich wohl. Liegt daran, dass ich keinen festen Lehrer habe und viel mich umschaue. Ja, es kommt wohl vor, dass ich zuviel Druck in die Sache lege. Ist aber nur eine Phase und eine Schwankung. Frauen kennen emotionale Schwankungen gut, Männer vielleicht eher den Punkt: Man ist mit seiner Frau sehr zufrieden und genießt die Begegnung. Dennoch hat die Suche noch nicht ganz aufgehört. Der Jäger ist noch nicht tot. Ist alles recht irrational, aber alte Strukturen und Muster poppen immer wieder mal hoch. Aber wen störts wirklich?
You know I've seen life will beat you down Break your heart steel your crown So I've started out to find what lasts Hope to know where my desire to cast
I'm learning to fly and I've got wings Comin' down is the hardest thing
So I'm here all taken away Nobody else nothing to say
Going to fly and I need no wings You come down only when you think
Tears fall down He smiles at me And now I see that He is me No one to go and no one to come Nothing to lose everything done
Flying around don't care about wings Comin' down is an impossible thing
There is no flight there are no wings Up and down is the same thing
du hast's genau auf den Punkt gebracht, das ist der Unterschied zwischen klassischem und sog. Neo-Advaita... Die Entwicklung/Übung... da scheiden sich halt die Geister... Ich finds nur komisch, dass so mancher, der heute predigt, du bist schon immer da (was ja auch stimmt) und jede Übung/Entwcklung als überflüssig bezeichnet, ganz vergessen hat, dass er auch 20 Jahre suchte und meditierte und alles tat, um Erleuchtung zu erlangen (das haben sie nämlich fast alle). Der Witz, dass die Öffnung erst kommt, wenn auch dieser Wunsch weg ist und Ruhe einkehrt, ja der ist dann aber auch wirklich lustig, wenn man endlich drüber lachen kann... Papaji, der vielen die Entspannung brachte, war der Guru von all denen, die Jahre und Jahrzehnte zu Füßen von Osho saßen und dynamische Meditation übten... und die dann heute sagen, jede Entwicklung sei überflüssig...
Dennoch, die Segnungen der Freiheit wirklich zu spüren und genießen zu können, ist meines Erachtens schon auch eine Frucht der Verfeinerung der Persönlichkeit, die wiederum durch jahrelanges Üben/Entwickeln geschieht. Hätte ich nicht all diese Bücher gelesen, all die vielen Übungen gemacht, ich hätte gar nicht gewusst, was mir überhaupt geschehen ist, und hätte es möglicherweise gänzlich negativ interpretiert (das geht nämlich auch)... es wäre mir weniger bewusst, was in mir wirklich gestorben ist, an Verlangen und Wünschen, wenn ich nicht bewusst all die Jahre mein Leiden unter den Verhaftungen beobachtet hätte... So kann ich jetzt alles sehr klar sehen, wie es befreit, und was mir so herrlich genommen wurde, dass es ein Glück ist. Wer seine Persönlichkeit nicht beobachtet, kann es möglicherweise nicht so bewusst erleben. Und ist es nicht vielleicht so, dass Gott sich selbst wach und bewusst wieder finden möchte und sich daran freuen möchte?
Ein feines, kleines Konzeptchen, mehr nicht, schon klar....
Lieber Henrik, ich (ich=Cheffe harrharrharr) hatte nicht nur dich gemeint, gelle??? Aber ist auch egal... war auch nur spontan, musste halt raus..
Alles Liebe,
gabi
ps. noch ein Gedanke: ich sehe es jetzt an meiner Mutter, die durch einen kleinen Schlaganfall tatsächlich erwacht ist, aber nichts davon weiß.... Sie hat Verhaftungen, Wünsche, Urteile verloren, und dennoch kreisen pausenlos die Gedanken um die gleichen Dinge, niemals ist sie still, weder innerlich noch äußerlich, sie kann es in dem Sinne nicht genießen, dennoch hat sich ihre Persönlichkeit zum positiven gewandelt und sie ist glücklicher als früher... Doch den Genuss der Stille, der ist ihr versagt, da sie ewig um ihre alltäglichen Gedanken kreist... Sie hat sich nie mit Dingen wie Erleuchtung, geschweige denn Selbstbeobachtung beschäftigt...
____________________________________ ...einfach nur leben...
Im "Selben" Boot sitzen wir wohl nicht, denn dann gäbe es nur einen Steuermann und wir gehen ja alle unseren eigenen Weg, vielleicht fahren wir in vielen Booten auf dem gleichen Strom, zumindest glauben wir alle irgendetwas und das macht es ja so interessant