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Ich möchte hier einen Text von Karim reinstellen, den er verfasst hat, um seinen Anhängern zu erklären, warum er kein Satsang mehr geben möchte... (mit Eerlaubnis von Vanilla, Filomena aus dem Satsangforum - Danke!!!)
Liebe Freunde,
diese Mail schreibe ich, um Euch eine wichtige Veränderung mitzuteilen. Wie einige schon gehört haben, werde ich mit dem Satsang in der bisherigen Form aufhören.
Vielleicht fragst Du Dich, welche Gründe es für diese Entscheidung gibt? Das ist normal, doch soll diese Mail keine Einladung zu einer Diskussion sein. Vielmehr möchte ich dir lediglich mitteilen, wie es zu dieser Entscheidung kam und was mich schließlich bewogen hat, sie umzusetzen - obwohl Worte niemals wiedergeben können, was sich im Innern der Reise abspielt.
Was bedeutet das alles nun konkret? Ab Januar ’08 (bis dahin halte ich mich an die geplanten Termine ) werde ich keine anderen Städte mehr besuchen und keine Satsang- Einladungen mehr annehmen. In Berlin gibt es die Möglichkeit, zweimal in der Woche ins „Sea of Joy“ zu kommen. Zu diesen Zeiten, welche ich zu gegebener Zeit bekanntgebe, werde ich vor Ort sein, aus Dankbarkeit gegenüber Nisargadatta. Und ich werde zur Verfügung stehen, um Fragen zu beantworten, still zu sein oder einfach für Begegnungen.
Außerdem wird es auch keine Einzelgespräche mehr geben, es sei denn, es ergibt sich durch „Zufall“ ein Gespräch unter Freunden (für das Du natürlich nichts bezahlen sollst). Aus organisatorischen Gründen wird im März ’08 noch ein Osterretreat stattfinden.
Nach drei Jahren Satsang-Zirkus stellte sich bei mir das Erkennen ein, daß ich aus dem Wissen, welches ich durch Nisargadatta bekommen habe, ein Geschäft gemacht habe in dem Sinne, daß ich davon lebe. Das steht in absolutem Widerspruch zum Kern unserer „Lehre“. Es gibt diesbezüglich viele klare Aussagen von Nisargadatta (sowie von seinem Lehrer und dessen „Tradition“). Eine davon lautet: Lebe ein normales, finanziell unabhängiges Leben. Und wenn jemand kommt und dich fragt, dann teile dein Wissen mit ihm/ihr. (Jedoch nicht einmal das muß sein).
Eventuell wendest Du ein - wie andere im Satsang oder auch wie viele Satsanglehrer, mit denen ich mich über dieses Thema ausgetauscht habe: „Es kommt auf die innere Verhaftung und Abhängigkeit an.“ Dem stimme ich unbedingt zu, doch ist diese innere Un-Abhängigkeit wertlos, wenn sie sich nicht im Außen widerspiegelt und dort gelebt wird. Dieses ganze Satsang-Geschäft ist eine Falle, und ich meine zu behaupten, daß die Meisten in dieser Falle (im Sinne von Begierden, Vasanas und Süchten) hängen bleiben.
Im Moment lebe ich von den Satsangs, und das ist nicht mehr vertretbar für mich. Von vielen anderen Satsanglehrern und Besuchern höre ich dann: „Wir im Westen müssen doch von irgend etwas leben.“ Dem stimme natürlich zu, aber die Einnahmequelle muß/darf nicht Satsang sein. Es sollte umgekehrt sein. Du verdienst dein Geld mit einem „normalen“ Job (nach dem Erkennen ist es eigentlich egal, was du arbeitest).
Satsang oder Wissen vermitteln ist keine Arbeit und auch keine Dienstsleistung, für die zu bezahlen ist, auch nicht unter dem Deckmantel „Spende“. Dieses Wissen ist frei und unbezahlbar, unbezahlbar auch in dem Sinne, daß du nichts dafür bezahlen oder spenden mußt. Auch das folgende Argument welches ich mir oft selbst erzählte funktioniert einfach nicht mehr. Ich sagte mir: „Ich bin dankbar Satsang anbieten zu dürfen und erlebe es als Gnade davon leben zu dürfen“. Diese Aussage hat inzwischen drei Schwachstellen die ich kurz beleuchten möchte: 1. Es ist generell Gnade Geld zu erhalten um leben zu können oder auch zu erhalten (in Form von Unterstützung des Staates). 2. ist dies keine Arbeit ( wie ich es verstehe). 3. bedeutet: „ mit dieser Arbeit“ eine Art Besonderheit gegenüber einem „schuften im normalen Job“.
Ein weiteres Argument, welches ich oft hörte und selbst geglaubt habe (eigentlich nicht wirklich, es mangelte mir aber an klaren Vorbildern), ist: „Du stellst Dich ja zur Verfügung und die Leute bezahlen für Deine Zeit.“ Welche Zeit? Wissen ist zeitlos! (Sagst Du etwa dem Verkäufer im Laden: Bitte geben Sie mir 5 Euro für die Zeit, die Sie mit mir verbracht haben?) Und wer sagt, daß Du mit Satsang Deine Zeit verbringen mußt?
Sie alle (und auch ich) haben Angst, Dich zu verlieren: Deine Bewunderung, Deine Hingabe, Deine Bestätigung - und Dein Geld. Sie brauchen Dich, um sich selbst zu erkennen, daran ist nichts falsch, sollte aber nichts kosten. Es gibt viele Texte, in denen von dieser Erfahrung gesprochen und auch gewarnt wird. Ich selbst habe drei Jahre gebraucht, um zu erkennen, daß ich mich in eine Situation (Satsang als „Beruf“) gebracht habe in der ich dein Geld brauche. Also eine Abhängigkeit die mich zwingt in den Spendenkorb schauen zu müssen um meine Miete bezahlen zu können.
Ich von mir aus habe jetzt nichts mehr zu geben. Wenn Du von Dir aus kommen solltest, werde ich meine Tür öffnen. (Was bleibt mir anderes übrig?) Dieser ganze Markt: CD’s, DVS’s, Anzeigen, Flyer usw. kotzt mich an! Es ist das Maya und die Verhaftung der heutigen Zeit. Und ich entschuldige mich bei meinem Lehrer Nisargadatta, daß ich in die Gurufalle getreten bin. Es beschämt mich. Doch mußte ich diese Erfahrung machen. Und ich wiederhole: Eine innere Ablösung, die sich nicht im Äußeren vollzieht, ist wertlos und leeres Gerede.
Natürlich ist dies alles eine Umstellung für mich, ist auch mit Unsicherheit verbunden. Es ist verführerisch, und es geht so schnell, sich an das Geld, an die Anerkennung und an den Standard zu gewöhnen. Alles läuft gut, die Satsangs sind gut besucht, es wird gespendet, die Besucher haben Erkenntnisse. Von außen betrachtet alles paletti. Wie heißt es so schön: Mann/Frau/Es soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Dieses gehen zu lassen ist ein weiter Tod auf einer sehr subtilen Ebene der Verhaftungen. Alles ist Veränderung und bedeutet erst einmal Unsicherheit. Das ist mir egal, denn im Herzen weiß ich, daß ich „meinem Lehrer und seiner Lehre“ treu bleibe. Wie meinte neulich eine Freundin: Die Begierde, Satsang zu geben und etwas zu vermitteln stirbt.
Was sind meine weiteren Pläne (Haha)? Ab Januar werde ich wieder arbeiten gehen, wahrscheinlich in einer Videothek. Ab September hoffe ich auf einen Ausbildungsplatz zum Bestatter, ein Beruf, der mich schon immer anzog.
Das „Sea of Joy „ steht erst einmal weiter zur Verfügung.
Es ist mir wichtig, noch einmal zu betonen das es keine Satsangs oder Talks mehr gibt ab Januar: Lediglich Zeiten, die Karim im „Sea of Joy“ seinem Lehrer Nisargadatta widmet und sich für andere zur Verfügung stellt.
Du kannst mir gerne in den kommenden Treffen Fragen in Bezug auf diese Mail stellen.
Ich möchte mich bei allen bedanken. Vor allem bei Nisargadatta, meinem eigenen Selbst, dessen Wahrheit und Wissen immer wieder durch die tiefsten Verstrickungen hindurch scheint und alle Zweifel und Ängste vernichtet. Behüte mich auch vor der Falle der Demut, als Gewinner auszusteigen.
Ein letzter Satz von Nisargadatta: „Seien Sie ehrlich und schauen sie, wie sich die Erleuchtung in Ihrem normalen Leben ausdrückt “
In Liebe und Hingabe Karimchen
____________________________________ ...einfach nur leben...
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