Zitat von GabiDie größte Hilfe ist die Selbsterkenntnis, die über die Geschichten hinaus geht, gehen muss, sonst stimmt sie nicht.
Alles Liebe, gabi
(Zitat aus anderem Themenstrang)
Liebe Gabi,
ich finde, der Rinpoche hier vermittelt genau das Gegenteil: Nimm das für wahr, was ist und steigere dich nicht in irgendwelche Trans-Personalitäten oder Jenseitigkeiten hinein.
Jack Kornfield weist darauf hin, dass Vergangenes "memory" und Zukünftiges "fantasy" ist. Zu "fantasy" gehören für mich auch irgendwelche Vorstellungen über die Non-Dualität oder Ich-Losigkeit.
Wenn ich genau jetzt Bauchweh oder hohen Blutdruck habe, oder Herzschmerz oder mich schuldig fühle, dann ist das keine "Geschichte", sondern mein gegenwärtiges Erleben. Das ist alles, was ich im Moment beobachten kann. Darauf sollte ich auch adäquat reagieren.
Nicht-Identifikation (aus Geschichten aussteigen) können wir nicht erzeugen. Sie geschieht - paradoxerweise - wenn wir uns genau dem (annehmend) zuwenden, was sich im Moment im Erleben abspielt. Das Entscheidende ist immer das Innehalten und mit dem sein, was (genau jetzt) ist.
Ich kann jemanden Achtsamkeit lehren und vermitteln, wie Innehalten geht. Aber die Erkenntnis, die er daraus gewinnt oder nicht gewinnt, kann ich nicht transportieren. Das geschieht in seinem Erleben, oder es geschieht gerade nicht.
Mir selbst ist das durch die Beschäftigung mit konstruktivistischen Gedankengängen klar geworden: Erkenntnis entsteht immer beim Subjekt und ist subjektiv. Jeder muss selbst alles neu für sich entdecken. Wissen kann nicht weiter gegeben werden. Inhalte können nicht transportiert werden ...
Aber vielleicht verstehe ich ja solche Aussagen von dir einfach falsch.
Zitat von Marianne Aber vielleicht verstehe ich ja solche Aussagen von dir einfach falsch.
Ich denke schon.
Tsem Tulku Rinpoche sagt ja im Grunde nichts anderes als: geh nicht in die Geschichten, die du gerne spinnst. Und das können welche aus der Vergangenheit, Zukunft oder auch Gegenwart sein.
Ich meine auch keine Konzepte von Ichlosigkeit oder Nondualität, sondern es muss ja erlebt werden, dass da diese Grundbasis da ist, die ohne Geschichten ist. Und dieses Erleben befreit von der direkten Verknüpfung mit den Geschichten. Man soll die Geschichten nicht mit neuen ersetzen. Es geht um das direkte Erleben dessen was wahr ist bzw. das Erkennen davon was unwahr ist.
Wenn ich vor eine Blume sitze und male mir aus, dass sie von einem Engel bewohnt wird, bin ich in einer Geschichte. Sehe ich sie einfach nur, bin ich draußen.
Liebe Grüße,
gabi
____________________________________ ...einfach nur leben...
Zitat von Gabi P. Ich meine auch keine Konzepte von Ichlosigkeit oder Nondualität, sondern es muss ja erlebt werden, dass da diese Grundbasis da ist, die ohne Geschichten ist.
Solche Sätze wirken auf mich, als würdest du ein bestimmtes Ziel (Erleben) verfolgen (anstreben) ... Wahrscheinlich tust du das gar nicht - Spracheigenheiten!
Ich glaube auch, dass jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt prinzipiell die Möglichkeit hat, aus seinen Geschichten auszusteigen, nicht nur sog. "Erwachte". Und ... jemand kann mit seinem "Erwachen" so identifiziert sein, dass er in seiner "Erwachensgeschichte" jahrelang hängen bleibt und das gar nicht merkt. Und ... es gibt auch sehr gut zentrierte und präsente Menschen, die nie ein sog. "Satori"-Erleben hatten.
Letztendlich sind das vermutlich einfach nur virtuelle Missverständnisse. Präsenz ist eine Haltung. Wenn ich jemandem begegne, dann bekomme ich eine Resonanz über seine/ihre Zentrierung und Präsenz, ganz egal was er/sie sagt. Worte transportieren die innere Ausrichtung oder Haltung nicht wirklich ...
Zitat von Gabi P. Ich meine auch keine Konzepte von Ichlosigkeit oder Nondualität, sondern es muss ja erlebt werden, dass da diese Grundbasis da ist, die ohne Geschichten ist.
Solche Sätze wirken auf mich, als würdest du ein bestimmtes Ziel (Erleben) verfolgen (anstreben) ... Wahrscheinlich tust du das gar nicht - Spracheigenheiten!
Ich für mich verfolge kein Ziel. Aber ich weiß, dass dieses Erleben sehr erleichtert, deshalb freue ich mich über jeden, bei dem es "schnackelt"....
Zitat von MarianneIch glaube auch, dass jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt prinzipiell die Möglichkeit hat, aus seinen Geschichten auszusteigen, nicht nur sog. "Erwachte". Und ... jemand kann mit seinem "Erwachen" so identifiziert sein, dass er in seiner "Erwachensgeschichte" jahrelang hängen bleibt und das gar nicht merkt. Und ... es gibt auch sehr gut zentrierte und präsente Menschen, die nie ein sog. "Satori"-Erleben hatten.
Ich konnte früher aus meinen Geschichten nicht aussteigen und hielt sie auch mit aller Kraft fest. War sone Art Leidenslust... Und sicherlich hängen viele an ihrer Erwachensgeschichte fest... oder an dem Wunsch, dann möglichst sofort lehren zu wollen... Die Euphorie bastelt sich dann ihre eigene Geschichte... und mancher merkts, mancher nicht...
Ich würde es so wie eine Spirale sehen, man kommt eine Runde höher, und dann geht das Spiel unter etwas anderen Voraussetzungen von vorne los.
Zitat von MarianneLetztendlich sind das vermutlich einfach nur virtuelle Missverständnisse. Präsenz ist eine Haltung. Wenn ich jemandem begegne, dann bekomme ich eine Resonanz über seine/ihre Zentrierung und Präsenz, ganz egal was er/sie sagt. Worte transportieren die innere Ausrichtung oder Haltung nicht wirklich ...
So erlebe ich es auch. Es fehlt das Herz und die ganze Ausstrahlung. Trotzdem können Worte auch machtvoll sein, wenn sie im richtigen Moment den richtigen Menschen erreichen. Aber meist verklingen sie relativ ungehört oder unverstanden... macht aber nichts. Soll dann nicht sein, und ist eben wie es ist.
Zitat von MarianneNix für unguat! lich Marianne
Liebe Grüße,
gabi
____________________________________ ...einfach nur leben...
Ich würde es so wie eine Spirale sehen, man kommt eine Runde höher, und dann geht das Spiel unter etwas anderen Voraussetzungen von vorne los.
Ja, da bin ich voll dabei! Und ... es gibt dabei verschiedene Grade und Level der Des-Identifikation (des Aussteigens aus den eigenen Geschichten, der Zentriertheit ...)
Dieses Bild gefällt mir viel besser, als von einem "entweder - oder" auszugehen. Oder davon, dass es ein Endziel des vollständigen Erwacht-Seins gibt.