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Mit Erlaubnis der Autorin möchte ich hier einen Text zu obigem Thema posten, weil er mir besonders gut gefällt und auch immer wieder aktuell ist:
von Giannina Wedde - ausführlicher auch hier in ihrem Blog zu finden: Klanggebet
Es ist heute populär, zu sagen, die dualität sei illusion, der wille existiere nicht, da sei niemand als person, und sowieso gelte es allenfalls die illusion zu überwinden, wenn es denn schon etwas zu tun gäbe. wenn willensfreiheit aber eine illusion ist ist es auch eine illusion erkannt zu haben dass es keine willensfreiheit gibt. wenn dualität eine illusion ist die es zu überwinden gilt, dann ist auch das konzept der überwindung der illusion hin zu einer nondualität eine illusion, denn wie sollte der vorstellung zu entrinnen sein?
jene die von der überwindung der dualität sprechen, tun dies häufig so, als sei die dualität das illusorische, das "falsche", und die nondualität das wahre und "richtige". man müsse in seinem leben die bewegung vom falschen zum richtigen vollziehen, vom schlaf zum erwachen, vom zappeln zum sein.
hier gilt es aber zu bedenken, dass es keinen absoluten standpunkt gibt von dem aus das zu beurteilen wäre. und gibt es ihn, so stehen wir sicher nicht auf ihm.
zu sagen "das ich ist eine illusion" wird nicht von einem "absoluten bewusstsein" gesprochen sondern von einem ich. zu sagen die dualität sei eine illusion setzt ein konzept der nondualität voraus, das ebenfalls illusion ist, da von einem dualistisch denkenden menschen artikuliert. zu sagen, es gebe keinen willen, wird ausgesprochen von einem menschen, der gerade wenigstens den willen aufbringt, dies anderen mitzuteilen, offenbar in der annahme, andere seien davon zu überzeugen, wie vom "falschen" ins "richtige" zu gelangen sei.
dass das göttliche seinen willen in zahlreichen manifestationen (wie der des menschen) im ewigen spiel gestalte, sagen jene dann oft, so als seien wir wirtskörper, in denen ein göttlicher alien tut was ihm gefällt. und nicht selten wird dies dann schleichend zur rechtfertigung eigener tatenlosigkeit, denn wenn gott tut was er will, was sollte ich dann schon tun oder wollen?
wer ist das ich, das spricht, und was ist die welt, wenn nicht die welt der erscheinungen, die subjektiver wahrnehmung unterliegt? das ist sozusagen die grundfrage der philosophie, der sich üblicherweise studenten im ersten semester ihres studiums stellen, aber wie man sieht, kommen wir ja alle nicht an der frage vorbei.
einbrüche des "absoluten" seins, etwa wie man sie in der mystischen erfahrung erlebt, in erleuchtungs-, dissoziations- und verschmelzungserfahrungen, finden ungeachtet ihrer gefühlten bedeutungssschwere innerhalb eines menschlichen denkens, fühlens und lebens statt. wer meint, aufgrund einer dieser erfahrungen, die zugegebenermaßen dramatisch und gewaltig sein und eine ganze innere weltordnung erschüttern können, ausserhalb des "ich", der "dualität" oder des "willens" zu stehen, schätzt nach meinem ermessen die situation falsch ein. es gibt kein ausserhalb davon - momentweise wird es uns geschenkt, doch eingebettet bleibt es ins irdische leben, spätestens wenn wir zurückkehren in den alltag.
ich bin bisweilen müde, immer wieder zu lesen es gebe keine dualität, keinen freien willen, kein individuum usw. weil es nirgends hinführt und weil es nur behauptet, vom absoluten standpunkt aus dinge überschauen zu können. wir aber sind immer eingebunden in die welt der erscheinungen, immer am rande unseres erkenntnishorizonts, immer im spannungsfeld zwischen dem was ist und dem was auch ist, illusorisch oder nicht.
wir können allenfalls der rinnsal des göttlichen nachspüren in unserem leben, und das ist schon genug denn das ändert bereits alles, und das bringt uns auf verschlungenen pfaden zum ozean, um den sich doch ohnehin alles dreht.
____________________________________ ...einfach nur leben...
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