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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 134 mal aufgerufen
 Allgemeines Forum
Reiner

Beiträge: 73

24.12.2009 15:18
Was hat es mit Weichnachten auf sich? Zitat · antworten

Kurzfassung

Weihnachten ist ein Spiel und ein Symbol. Es liegt an mir, dies mit Licht und Sein zu füllen. Weihnachten an sich ist wertlos. Nur in der Verbindung mit dem Sein erhält es eine tiefere Bedeutung


Langfassung

Weihnachten ist nicht umsonst in der Winterzeit angesiedelt. Nach der Wintersonnenwende kommt nicht nur symbolisch das Licht zurück in die Welt. Es wird immer heller. Christlich gesehen bedeutet dies: das Licht wird geboren, die Verbindung zu Gott. Wir können die verschiedenen Arten der Symbolik analysieren. Wir wissen genug über Traditionen, um Weihachten einordnen zu können, in seiner christlichen Bedeutung, in seinen Wurzeln, auch in dem, was nicht christlich ist, und es gibt viele nichtchristliche Wurzeln. Dabei geht es nicht nur um das Datum, sondern auch um diese Art der Geburtstagsfeier, die nichts mit dem ursprünglichen Christentum zu tun hat.

Da es für viele leichter ist, Rituale zu haben, die ihnen Wegweiser und Handreichungen sind, die es vereinfachen einen bestimmten Weg zu gehen, hat Weihnachten, genau wie alle anderen Jahresfeste, die Bedeutung und Funktion uns wieder klar zu machen, worum es eigentlich geht, uns auf eine andere Ebene zu bringen, als die des Tagesgeschehens.

Was wir in Werbeslogans und überhaupt auf der gesamten Marketingebene über Weihnachten hören, ist sehr vordergründig und aufgesetzt. Es heißt immer „das Fest der Liebe“, wobei jeder unter Liebe etwas anderes versteht. Gleichzeitig wird Weihnachten verdammt als Fest des Kommerzes.

Weihnachten ganz anzunehmen bedeutet, mich selbst voll und ganz anzunehmen, indem ich erkenne, was ich selber bin. Gleichzeitig ist es widersinnig, dies nur einmalig zu tun. Sich mit Fastenzeit und Enthaltsamkeit auf Weihnachten vorzubereiten, ist eine Möglichkeit, aber wenn Weihnachten nicht in meinem Herzen ist, macht es keinen Sinn Äußerlichkeiten einzuhalten, denn das gesamte Fest bleibt kalt, tot und sinnlos.

Der ganze Trubel, die freien Tage können für mich aber mit Sinn gefüllt sein. Es liegt an jedem selbst. Wenn ich im Einklang mit mir, mit allem, was ist, lebe, ist es egal, an welchem Tag ich mich besinne, was wirklich wichtig ist. Es soll ein tägliches Ritual sein, ein Ritual, das mich zurückführt zu meinem Ursprung.

Trotzdem ist es wichtig, auch Feste zu haben, mit Datum festgelegte Feste über das Jahr verteilt. Auf diese Weise haben wir äußerlich vorgegeben die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, weil dann frei ist, genauso wie im Urlaub. Wie wir dann die Zeit gestalten, bleibt uns überlassen.

Vom Sein aus gesehen ist Weihnachten ein reines Spiel, wie Ostern und Ostereier, wie Urlaub wie Erntedank, wie Pfingsten oder Karneval. Es sind Spiele mit Erinnerungscharakter, wobei der Erinnerungswert vielfach in seiner Bedeutung verloren gegangen ist, vernebelt durch Dogmen der Kirche.

Wenn wir uns öffnen mit dem grenzenlosen Vertrauen auf das Licht, das wir selber sind, die bilderlose Stille des Seins, zieht genau jener Friede in uns ein, hinein in unser Bewusstsein, der überall gefordert wird, und dessen Abwesenheit wortreich lamentiert wird.

Aus der Sicht des Mangels geschaut ist Weihnachten absurd, eine Farce, eine zynische Huldigung des Mammons, leer und künstlich. Aber aus der Sicht des Seins betrachtet, wird Weihnachten warm und öffnet das Herz.


Wie kommen ich jetzt in Weihnachtsstimmung?

Indem ich alles ablege, das gesamte Tagesgeschehen, durch das ich mich hindurch fallen lasse in die große Stille und zulasse, dass sich dort alles auflöst, alles zu seinem Ursprung zurückgeführt wird. Dort verweile ich. Und in der Aufgabe jeder Kontrolle komme ich in ungeahnte Freiheit.

Die Brille des Spiels fällt weg und ich habe den Blick frei auf die Harmonie, die allem innewohnt, die natürliche Harmonie, der Einklang mit allem, was ist, und dafür kann ich dankbar sein. Die innere Dankbarkeit öffnet mich für die Freude und ich tauche wieder ab in die bilderlose Stille und bedanke mich wieder. Es ist ein ständig wiederkehrender Prozess des Versenkens.


Was hat es mit Weihnachtsgeschenken auf sich?

Das größte Weihnachtsgeschenk, das im Idealfall auch ein permanentes ist, ist die ungeteilte Aufmerksamkeit, die wir dem Sein schenken, indem wir sie jemandem in unserer Umgebung schenken, im Bewusstsein, dass wir alle eins sind. Aus der Harmonie des Seins auf jeden einzelnen geblickt, erkennen wir dessen Schönheit.

Jemanden aus dem Sein heraus anzuschauen, ist das wunderbarste Geschenk, das wir uns selbst und jedem anderen machen können. Alles andere sind Verballhornungen und Verdrehungen dessen, was eigentlich dahinter steht. Sich etwas zu schenken bedeutet eigentlich nicht, nach Anerkennung oder Dankbarkeit zu fragen, sondern aus einem offenen, weiten und vertrauensvollen Herzen heraus zu handeln, genauso wie wir uns einfach so, offen und vertrauensvoll in das Sein hineinfallen lassen können.

Ich schaue nur wirklich und kann nur wirklich sehen, wenn ich aus dem Sein heraus schaue, in der absoluten Bewertungslosigkeit. Nur dann, wenn ich gar nicht werte, kann der Sinn sich mir erschließen. Mit Wertungen verbaue ich mir die Tür. Jede Wertung ist ein Stein, und wenn die Tür durch Wertungen zugemauert ist, sehe ich nur die Steine und nie das, was ist, und nie den Sinn. So kann niemals Verstehen stattfinden.
Wenn wir aus dem Spiel heraus werten, bedeutet es, dass wir systematisch die Komplexität des Seins und des Ganzen ignorieren, weil wir davon ausgehen, dass wir aus dem Jetzt verstehen müssen, aus dem Tagesgeschehen heraus, und das geht nicht. Wertung ist nicht gleichbedeutend mit Verstehen. Dies gleichsetzen zu wollen, ist die höchste Absurdität.

Ohne die Absicht, verstehen zu wollen, aus allem herauszutreten und sich ins Sein zu begebenen, in die große Verbindung, und aus der bilderlosen Stille zu schauen auf das, was ist, und alles wegzulassen und es anzunehmen als Zustand des Jetzt und immer aus diesem Zustand weiter darauf zu schauen, hat eine Sprengkraft, die alles, was Spiel ist, hinwegfegt, die alles, was die Harmonie stört, entwurzelt. Es ist nicht planbar, was passiert, aber es ist immer konsequent. Wenn wir alles aus der Harmonie des Seins heraus betrachten, bereiten wir den Boden vor für die Entfaltung dieser Harmonie innerhalb des Spiels als Ausdruck des ewigen Seins.

Was mir unharmonisch erscheint, kann ich nicht aus dem Spiel heraus ändern, weil ich in Wertungen verstrickt bin. Ich kann aber auch nicht mit den Wertungen, die ich als gut bezeichne, etwas ändern, denn Wertung bleibt Wertung. Ich muss auch diese ablegen und mich voll und ganz dem Sein überantworten und aus dem Sein heraus schauen. Dann durchdringe ich alles, was ist, mit Sein, mit bewusstem Sein.

Unser Tagesbewusstsein, unser Verstand, kann niemals wissen, wie und was und wann sich etwas verändert. Wir können nur wissen, dass sich etwas ändern muss. Die Sprengkraft einer derartigen Verbindung mit dem Sein ist besonders hoch, wenn es um unser persönliches Umfeld geht. Persönliche Probleme aus dem Sein heraus zu betrachten, ohne Wertungen, fegt diese buchstäblich hinweg. Gelegentlich kann dies auch länger dauern, aber die Sprengkraft ist hier am größten. Wenn es um Dinge geht, die unserem direkten persönlichen Einfluss entzogen sind, ist die Wirkung an sich genauso, nur sind die wahrnehmbaren Anzeichen oft viel subtiler. Hier ist es wichtig, nur das zu tun, was wir können: uns zu versenken und ohne Wertung zu schauen, aus der Klarheit des Seins heraus.

Je mehr Menschen auf diese Weise den Fokus auf dasselbe Thema richten, aus diesem ungeprägten Gewahrsein heraus, desto größer ist der Sog der Harmonie des Ganzen. Dies ist niemals und unter gar keinen Umständen zu verwechseln mit manipulativen Zusammenschlüssen, bei denen bestimmte Dinge unter bestimmten Vorzeichen beeinflusst werden sollen, beispielsweise durch das Senden positiver Gedanken, um etwas in eine Richtung drängen zu wollen. Darum geht es hier nicht. Es ist etwas völlig anderes. Es geht um die absolute Freiheit, das Ungeprägtsein, weil nicht unsere persönlichen Vorlieben die Harmonie des Ganzen entscheiden, sondern nur die Klarheit des Seins. [20.12.09]

schöne Grüße
Reiner

Saraswati

Beiträge: 4.024


24.12.2009 15:22
#2 RE: Was hat es mit Weichnachten auf sich? Zitat · antworten

schön!

Saraswati



Sphäre der Meditation

Raggi

Beiträge: 2.058


24.12.2009 21:21
#3 RE: Was hat es mit Weichnachten auf sich? Zitat · antworten

Du schreibst mir aus dem Herzen, Reiner.
Das Beste, was ich seit langem über Weihnachten gelesen habe

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